„Mit Gott durch schwere Zeiten… – Gedanken zur Botschaft des Kirchenjahres“ - Teil 10

Wir gehen schon seit vielen Monaten durch schwere Zeiten, die uns Tag für Tag herausfordern und auf die Probe stellen; auch in dem neuen Kirchenjahr. In einer Reihe von kurzen Texten und Bildern mit dem Titel „Mit Gott durch schwere Zeiten… – Gedanken zur Botschaft des Kirchenjahres“ begleitet uns Pfarrer Szilárd Wagner mit Anregungen für den Alltag zu den einzelnen Wochen vom Advent bis zum letzten Sonntag des Kirchenjahres. Sie sollen uns stärken, zum Nachdenken anregen und Gottes Gegenwart in unserem Leben spüren lassen. Viel Freude am Lesen und Nachdenken!

 
von Markuskirche

3. Sonntag nach Epiphanias

 

Lukasevangelium 13,29

"Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes."

 

Wir leben in Zeiten, in denen jede Versammlung und jedes Zusammentreffen von größeren Menschenmengen verdächtig zu sein scheint. Je größer die Menge ist – sagen einige – desto weniger kontrollierbar und möglicherweise gefährlich ist sie. Andere meiden solche Zusammenkünfte deswegen, weil sie sich den immer einzuhaltenden Abstand im Alltag so sehr eingeprägt haben. Für sie gibt es vielleicht keinen menschlichen Kontakt, keine Begegnung ­mehr, bei welcher ihr erster Gedanke nicht dieser wäre. Wenn diese Anlässe auch noch mit gemeinsamem Essen verbunden sind – wie das im Familienkreis oder z.B. in der Pfarrgemeinde oft vorkommt –, dann kann die hier lauernde Gefahr – gleich ob eine wahre oder eine vermutete – nicht überboten werden.

In diesem Satz gibt Jesus seinen Jüngern keine sofort auszuführende Anweisung. Der Anfang „Es werden kommen“ lässt schon vermuten, dass es hier um ein zukünftiges Fest geht, das in uns die Hoffnung einer in der Nähe Gottes zu verwirklichenden Vereinigung erweckt. Nichtsdestotrotz sollten wir dieses Versprechen nicht unterschätzen, denn seine Verwirklichung wird nicht von etwas abhängig gemacht. Es wird vielmehr eine neue Perspektive eröffnet. In einer Welt und in einer Menschheit mit unzähligen Unsicherheiten ist es an sich großartig, eine solche Perspektive zu bekommen.

Mittlerweile wird es immer eindeutiger, dass wir den Abstand voneinander nicht unbegrenzt halten können. Denn wir haben realisiert, dass viele schädliche, zerstörerische Prozesse früher oder später hier ihren Anfang nehmen. Einige von ihnen sind in der Gesellschaft bereits sichtbar geworden. Wie schön wäre es, wenn wir auf den Ruf Jesu und des Christentums hören könnten, der uns ermutigt, diesen Satz als Beispiel zu nehmen, bereits errichtete Hindernisse zwischen den Menschen Schritt für Schritt abzubauen. Sie haben nämlich keine andere Funktion, als uns voneinander zu trennen. Nehmen wir einander an, so wie uns auch Gott annimmt!

Szilárd Wagner

 

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Foto: Gunar Prauschke @ pixelio.de

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