„Mit Gott durch schwere Zeiten… – Gedanken zur Botschaft des Kirchenjahres“ - Teil 5

Wir gehen schon seit vielen Monaten durch schwere Zeiten, die uns Tag für Tag herausfordern und auf die Probe stellen; auch in dem neuen Kirchenjahr. In einer Reihe von kurzen Texten und Bildern mit dem Titel „Mit Gott durch schwere Zeiten… – Gedanken zur Botschaft des Kirchenjahres“ begleitet uns Pfarrer Szilárd Wagner mit Anregungen für den Alltag zu den einzelnen Wochen vom Advent bis zum letzten Sonntag des Kirchenjahres. Sie sollen uns stärken, zum Nachdenken anregen und Gottes Gegenwart in unserem Leben spüren lassen. Viel Freude am Lesen und Nachdenken!

 
von Markuskirche

Weihnachten

Johannesevangelium 1,14a.

„Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.“

 

„Ich glaube wenn ich es sehe“ – sagen wir oft. Auch dieser Satz hat übrigens einen biblischen Ursprung. Thomas sagte das – wenn auch nicht wortwörtlich – den anderen Jüngern Jesu, nachdem er bei der ersten Begegnung mit dem auferstandenen Jesus nicht anwesend war. Auch sie behaupteten: „wir sahen“.

Langsam verlassen wir die Feiertage und müssen uns wieder den Aufgaben und Herausforderungen des Alltags widmen. Es lohnt sich also, uns noch einmal die Frage zu stellen, was wir aus den Feiertagen an Botschaften und Erlebnissen in den sogenannten Alltag mitnehmen. Was haben diese Weihnachten mit uns gemacht? Welche Geschenke haben wir – nicht im materiellen Sinne – bekommen? Was hat uns Freude bereitet und wie tragen wir diese Freude weiter?

Der zitierte Bibelvers spricht vom ewigen Weihnachtsgeschenk: Gott ist in Jesus Christus in dieser Welt erschienen, d.h. er ist sichtbar geworden. Gegenüber vielen anderen Ansichten ist es daher wichtig, darauf zu beharren, dass Gott keine bloße ist, der nicht greifbar wäre, sondern jemand, der dieses irdische Leben gelebt hat und im Leben der Menschen auch heute wirken will.

Es gibt viele Menschen, die das erkannten. Einer der Größten von ihnen, der südafrikanische Erzbischof der anglikanischen Kirche, Desmond Tutu hat seine irdische Laufbahn am zweiten Weihnachtstag beendet. Mit seinem ganzen Leben hat er darauf hingewiesen, dass es in der menschlichen Gesellschaft viele Ideologien geben kann, die im schlimmsten Fall unendlich unmenschlich sind und unterdrücken, dennoch kann aufgrund des christlichen Glaubens kein System unterstützt werden, das Menschen unterdrückt und diskriminiert. Er hat nie geleugnet, dass sich diese Überzeugung eben nicht auf idealistischem Humanismus gründet, sondern der Tatsache zu verdanken ist, dass auch er die Herrlichkeit des auf die Erde gekommenen Gottes gesehen hat. Ihm war bewusst, was daraus für die Welt und für sich selbst folgt.

Viele solche Beispiele hat es in den vergangenen Jahrhunderten gegeben. Vielleicht ist es aber noch wichtiger, unsere eigene Berufung zu definieren und herauszufinden, wo wir aus der Weihnachtsbotschaft heraus etwas dafür tun können, dass unsere Welt ein wenig schöner, menschlicher und dadurch göttlicher werden kann. Wir tun dadurch nicht weniger, als Gottes Liebe unter den Menschen sichtbar zu machen.

Szilárd Wagner

 

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