„Mit Gott durch schwere Zeiten… – Gedanken zur Botschaft des Kirchenjahres“ - Teil 9

Wir gehen schon seit vielen Monaten durch schwere Zeiten, die uns Tag für Tag herausfordern und auf die Probe stellen; auch in dem neuen Kirchenjahr. In einer Reihe von kurzen Texten und Bildern mit dem Titel „Mit Gott durch schwere Zeiten… – Gedanken zur Botschaft des Kirchenjahres“ begleitet uns Pfarrer Szilárd Wagner mit Anregungen für den Alltag zu den einzelnen Wochen vom Advent bis zum letzten Sonntag des Kirchenjahres. Sie sollen uns stärken, zum Nachdenken anregen und Gottes Gegenwart in unserem Leben spüren lassen. Viel Freude am Lesen und Nachdenken!

 
von Markuskirche

2. Sonntag nach Epiphanias

 

Johannesevangelium 8,14.

„Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.“

 

Wir alle sind Menschen, die sich nach Vollkommenheit sehnen. Unser Ziel ist es, die Vollkommenheit zu erreichen, die die Sammlung unserer unerfüllten Wünsche ist. Wenn uns etwas fehlt, dann fühlen wir uns nicht wohl und sind bemüht, das Fehlende zu finden. Bevor wir das tun, lohnt es sich zu überlegen, woher das Gefühl der Unvollkommenheit kommt und ob es das überhaupt wert ist, es zu beseitigen…

Viele wollen Bestätigung haben, sie wollen also die Richtigkeit ihrer Werte oder Taten durch die Meinung anderer Menschen bestätigt haben. Auf diese Art und Weise zu leben, ist nicht ganz ungefährlich, denn dadurch können wir nicht nur gewinnen, sondern auch viel verlieren. Unzählige Beispiele zeugen davon, dass viele Menschen durchaus bereit sind, für ein paar Likes in den sozialen Medien, für die Anerkennung im Freundeskreis oder für das Mithalten mit den aktuellen Trends viel von sich selbst zu opfern. Diese Opfer sind aber oft vergebens, denn sie müssen immer wiederholt erbracht werden. In vielen Fällen muss man diese Opfer sogar immer wieder überbieten. Doch das, was einem Menschen fehlt – sei es Vertrauen, Selbstvertrauen oder ein gesundes Selbstwertgefühl – kann ein anderer Mensch dauerhaft nicht geben.

Wenn der Evangelist Johannes über die Fülle Gottes spricht, aus der der Mensch schöpfen kann, dann spricht er über eine andere Qualität. Wenn wir den Glauben, also das Vertrauen an Gott als Gottes Gabe bekommen haben, dann verleiht uns dieser Glaube das Bewusstsein einer Vollkommenheit, die keiner Ergänzung bedarf. Diese Vollkommenheit kann man nicht verlangen, sie ist ein Geschenk. Wenn sie aber bei uns ankommt, dann wird durch sie alles geheilt: Das Vertrauen, das Selbstbewusstsein, aber auch das Selbstwertgefühl.

Szilárd Wagner

 

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Foto von Dennis Schmitt @ pixelio.de

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